Sprechen und Schreiben als dialogische Tätigkeiten

In einer dialogischen Konzeption von Sprechen und Schreiben sind drei Gedanken für mich wesentlich.

Erstens umfasst das sprachliche Geschehen nicht nur das äußerlich Hörbare oder Sichtbare, sondern auch die Bezüge von Äußerungen zu früheren oder möglichen zukünftigen Äußerungen der Sprecherin oder des Sprechers und anderer Menschen. „Dialogisch“ bedeutet also nicht unbedingt, dass ein Gespräch zwischen zwei oder mehreren Gesprächspartnern stattfinden muss, sondern umfasst auch die Bezüge zwischen Gesprächssituationen und Texten jenseits einer zeitlichen und räumlichen Konvergenz.

Zweitens verstehe ich die sprechende Person als plurales Selbst. Die jeweilige Position der Sprecherin oder des Sprechers in Bezug zu konkreten oder vorgestellten Anderen ist ausschlaggebend für die Form einer Äußerung. Ich frage: Wer spricht zu wem? Welche Gestalt und Qualität hat die Äußerung und welche kommunikativen und kognitiven Funktionen erfüllt sie?

Damit ist für mich drittens ein sprachpsychologischer Blick verbunden, der nicht „tiefere“ Verarbeitungsstufen einer Äußerung, sondern innere und reflexiv zugewandte, d.h. an die sprechende Person selbst gerichtete, Formen einer Äußerung untersucht. Gerade beim Schreiben machen solche „inneren Dialoge“ einen wesentlichen Teil der sprachlichen Tätigkeit aus.